Neuigkeiten

Um das TTIP

ist es in letzter Zeit ruhiger geworden – die Ruhe vor dem Sturm? Wie der „Regenwald-Report“ (den Verein Rettet den Regenwald e.V. gibt es seit über 30 Jahren) in seiner Nr. 2/2016 berichtet, haben in Kolumbien zwei Bergbaukonzerne aus den USA und Kanada vor einem privaten Schiedsgericht in Texas den Staat auf Schadensersatz verklagt, weil dessen Gerichte den Goldabbau im Nationalpark Yaigijé Apaporis im Amazonasregenwald an der Grenze zu Brasilien verboten haben. Es geht um umgerechnet 14,5 Milliarden EUR, den der Staat Kolumbien an den Konzern zahlen soll, wenn der Goldabbau nicht genehmigt wird. Kolumbien hat mit den USA und Kanada ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Im Weltladen haben wir Regenwaldprodukte, die nachhaltig und fair produziert werden. Fragen Sie danach.

Tübingen und Afrika

Wer Tübingen beim Weltladen-Ausflug als lebendige und gleichzeitig behäbige Kleinstadt gesehen hat, kann es vom 21. bis 24. Juli garantiert auch ganz anders erleben: Das Internationale AfrikaFestival wird vermutlich die altehrwürdigen Häuser zum Zittern und den Neckar zum Kochen bringen (Tel. 0152.10610374 und www.afrikafestival.net). Und die Studentin, die für ihr Abitur Passanten zum Thema „nachhaltige Kleidung“ befragte, könnte man sich an diesen vier Tagen auch sehr gut in einem wallenden Gewand aus mehreren Metern buntbedruckter oder gebatikter Baumwolle vorstellen statt in T-Shirt und Jeans…

Es tut sich was

Rana Plaza ist wohl ein Synonym für Ausbeutung in der Textilindustrie geworden. Ob das große Umdenken schon begonnen hat, bleibt offen, nachdem vor kurzem in einer großen Anzeige unserer Tageszeitung Kinder T-Shirts ab 3.50, Herren T-Shirts ab 4.50 und Damenkleider ab 9 EUR – alles aus Bio-Cotton – angeboten wurden, aber immerhin gibt es zaghafte Ansätze. Wie Publik-Forum in der neuesten Ausgabe berichtet, hat der Verein TransFair Deutschland mit seinem Textilprogramm bislang 20 Fabriken in Indien und Bangladesch beraten, um Veränderungen in der Textilproduktion anzuregen. Die Firmen haben, und hoffentlich nicht nur in den zwei genannten Ländern, inzwischen ein Imageproblem. Drei deutsche Hersteller lassen inzwischen in einigen der 20 beratenen Fabriken produzieren, und der Sprecher einer der drei spricht offen von Bewusstseinswandel, nimmt aber auch die Konsumenten hierzulande in die Pflicht, die sich von der Wegwerfgesellschaft verabschieden und fair gehandelte, langlebige Produkte kaufen müssten.

TWAJENGA und KARUNGA

Wenn Sie die beiden afrikanischen Begriffe verwechseln, ist es nicht so schlimm. TWAJENGA nennt der aus Sontheim stammende Entwicklungshelfer Martin Baumgärtner sein „kleinbäuerliches Entwicklungsprojekt“ in Bahati/Kenia, das 2015 in die TWAJENGA Foundation überführt wurde. Der Projekthof Baumgärtners ist mit der einheimischen Selbsthilfegruppe „KARUNGA Farmers Group“ vernetzt, und diesen Namen – KARUNGA – hat sich auch der Heilbronner Verein gegeben, der das Projekt unterstützt. Baumgärtner war dieser Tage auf Heimaturlaub und hat seine Unterstützer über den aktuellen Stand informiert. Wer sich dafür interessiert, hier die Internet-Adresse: www.karunga.de. Wer den Projekthof selbst von oben sehen will, soll bei Google Maps nur „twanjenga road“ eingeben, sagt Baumgärtner.

Nochmals: www.forum-fairer-handel.de/kampagne. Träger der Kampagne sind die bekannten Fairhandelsimporteure, außerdem BanaFair und Naturland.

Auch im Ländle

Wer Würzburg verpasst hat, kann Afrika, einige Nummern kleiner, in Tübingen erleben: Vom 21. bis 24. Juli 2016 findet das 7. AfrikaAktiv Kunst- und Kulturfestival statt. Und das Besondere: Die Veranstalter freuen sich nicht nur auf Gäste, sondern auch auf Mitwirkende, Künstler, Helfer (!), Händler, Musiker und Diskutanten. Tel. 0152.10610374 und www.afrikafestival.net.

Von Afrika nach Chile

Wie angekündigt, hier einige Eindrücke von Dorothea Klette (75), die dieser Tage (zum wievielten Mal?) aus dem gebeutelten Land zurückkehrt (der Journalist Eduardo Galeano, geb. 1940 in Uruguay, widmet dem Land in seinem Buch „Die offenen Adern Lateinamerikas“ neun traurige Seiten). Als Lehrerin interessiert Dorothea Klette natürlicherweise das Erziehungssystem. Fünf Präsidenten seit dem Sturz Pinochets (1990) haben das Schulsystem – hier staatliche Schulen in den Armenvierteln „auf niedrigem Niveau“ und dort teure Privatschulen und Universitäten (die deutsche Schule z.B. verlangt für die Einschreibung eine hohe Gebühr, dazu Schulgeld, Schuluniform und selbstbezahlte Bücher, Beträge, die sich kein Normalsterblicher leisten kann) weiter verkommen lassen. Kein Wunder, dass Schüler und Studenten seit Jahren ihren Protest auf die Straße tragen.

Die einzigen fünf kostenlosen Berufsschulen in Santiago de Chile werden von der Fondación Cristo Vive betrieben, für die Frau Klette tätig ist. Sie werden vom Staat sehr mangelhaft unterstützt, zumal das Handwerk in Chile nichts gilt (Ausbildungsdauer 6 Monate, vom Staat finanziert nur 3 Monate).

Was Frau Klette ebenfalls auffiel: Einen festen Arbeitsvertrag zu haben ist in Chile die Ausnahme. Schwester Karoline gilt eigentlich nicht als ängstlich, aber diese Situation ängstigt sie – „Was da auf Chile zukommt“. Denn wer keinen Arbeitsvertrag hat, hat auch keine Altersversicherung. Zum öffentlichen Nahverkehr: Man kann nur mit Karte bezahlen. Während beim Eingang zur Metro ein Wachtposten steht, ist das Schwarzfahren im Bus das Normale. Aber Höflichkeit gegenüber älteren ist ebenso selbstverständlich, ein Sitzplatz ist ihnen sicher.

Früchte, wie z.B. Aprikosen, die es in Hülle und Fülle gibt, aber nur von Karolines deutschen Helfern gepflückt werden, nicht von chilenischen (oder ist es „unter der Würde“ eines Berufsschülers, Obst zu ernten...?). Chile, ein trotzdem faszinierendes Land mit Gefahren, gegen die man machtlos ist (z.B. Erdbeben), und anderen, die man meiden sollte (z.B. ins Gefängnis zu kommen, da diese doppelt bis fünffach überbelegt sind). Man würde sich nicht wundern, wenn es eines Tages hieße: Dorothea Klette ist wieder auf dem Weg nach Chile.

H.E.