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Die weiße Tonne

Wenn’s im Blättle übersehen wurde, bei uns im Laden steht sie unübersehbar neben dem Ladentisch: Die Riesenschachtel für die Heilbronner-Tafeln. H-Milch, Nudeln, Speiseöl, Zucker, Mehl und Reis, die nicht kühlpflichtig, ausreichend haltbar und originalverpackt sind, können in die Box eingelegt werden. (Fleiner Nachrichten Nr. 16, Seite 2 links oben). Spätestens bis 17. Mai sollten die Briefe abgeschickt oder online unter www.forum-fairer-handel.de/kampagne weitergeleitet werden.

Um was geht es?

„Im internationalen Handel werden täglich Menschen- und Arbeitsrechte verletzt. Auch deutsche Unternehmen sind direkt oder indirekt daran beteiligt oder profitieren davon“ schreibt der Weltladen-Dachverband und das Forum Fairer Handel und beklagt, dass es wegen der mangelhaften Gesetzeslage in Deutschland bislang nahezu unmöglich ist, deutsche Unternehmen für Menschenrechtsverstöße im Ausland zur Verantwortung zu ziehen. Aber das könnte sich jetzt ändern, denn Ende Mai/Anfang Juni entscheidet die Regierung über den „Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte“, der seit Dezember 2015 schriftlich vorliegt (auf die Leitprinzipien der Vereinten Nationen einigte man sich schon 2011!). Am guten Willen fehlt es nicht: Bereits 1947 wurde die UN-Menschenrechts-Charta“ verabschiedet und in der Folge in über 100 Völkerrechtsverträgen, Erklärungen und anderen Dokumenten eine Verbesserung der Lage versucht. Das Problem ist, dass Unternehmen nicht dem Völkerrecht unterworfen und damit nicht an Menschenrechtsabkommen gebunden sind. Verpflichtende Regelungen können nur durch die nationale Gesetzgebung hergestellt werden, wofür die o.g. „Leitprinzipien“ die Grundlage bilden. „Menschen-und Arbeitsrechte“ – hinter dem trockenen und wenig konkreten Begriff verbergen sich – vor allem in den armen Ländern- Hungerlöhne, Ausbeutung, Demütigung und mangelnder Arbeits- und Gesundheitsschutz (der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh mit über 100 Toten, in der auch deutsche Ketten nähen ließen, ist Ihnen vielleicht noch bekannt). Am 14. Mai ist in ganz Deutschland Weltladentag. Die Weltläden bitten ihre Kundinnen und Kunden, sich an der Briefaktion zu beteiligen, um damit der bevorstehenden Kabinettsentscheidung Unterstützung, aber auch Druck zu verleihen. Musterbriefe erhalten Sie auf Nachfrage im Laden, oder Sie formulieren selbst.

Nochmals: www.forum-fairer-handel.de/kampagne Träger der Kampagne sind die bekannten Fairhandelsimporteure, außerdem BanaFair und Naturland.

Nicht nur Steinwein, Meefischli und Kirchen

bietet Würzburg – ganz in unserer Nähe. Als Weltladen empfehlen wir natürlich auch das größte Festival afrikanischer Musik und Kultur in Europa vom 26. bis 29. Mai 2016 auf der Talavera Mainwiesen (Festungsseite südl. der Friedensbrücke). Tel. 0931.15060 und www.afrikafestival.org.

Auch im Ländle

Wer Würzburg verpasst hat, kann Afrika, einige Nummern kleiner, in Tübingen erleben: Vom 21. bis 24. Juli 2016 findet das 7. AfrikaAktiv Kunst- und Kulturfestival statt. Und das Besondere: Die Veranstalter freuen sich nicht nur auf Gäste, sondern auch auf Mitwirkende, Künstler, Helfer (!), Händler, Musiker und Diskutanten. Tel. 0152.10610374 und www.afrikafestival.net.

Von Afrika nach Chile

Wie angekündigt, hier einige Eindrücke von Dorothea Klette (75), die dieser Tage (zum wievielten Mal?) aus dem gebeutelten Land zurückkehrt (der Journalist Eduardo Galeano, geb. 1940 in Uruguay, widmet dem Land in seinem Buch „Die offenen Adern Lateinamerikas“ neun traurige Seiten). Als Lehrerin interessiert Dorothea Klette natürlicherweise das Erziehungssystem. Fünf Präsidenten seit dem Sturz Pinochets (1990) haben das Schulsystem – hier staatliche Schulen in den Armenvierteln „auf niedrigem Niveau“ und dort teure Privatschulen und Universitäten (die deutsche Schule z.B. verlangt für die Einschreibung eine hohe Gebühr, dazu Schulgeld, Schuluniform und selbstbezahlte Bücher, Beträge, die sich kein Normalsterblicher leisten kann) weiter verkommen lassen. Kein Wunder, dass Schüler und Studenten seit Jahren ihren Protest auf die Straße tragen.

Die einzigen fünf kostenlosen Berufsschulen in Santiago de Chile werden von der Fondación Cristo Vive betrieben, für die Frau Klette tätig ist. Sie werden vom Staat sehr mangelhaft unterstützt, zumal das Handwerk in Chile nichts gilt (Ausbildungsdauer 6 Monate, vom Staat finanziert nur 3 Monate).

Was Frau Klette ebenfalls auffiel: Einen festen Arbeitsvertrag zu haben ist in Chile die Ausnahme. Schwester Karoline gilt eigentlich nicht als ängstlich, aber diese Situation ängstigt sie – „Was da auf Chile zukommt“. Denn wer keinen Arbeitsvertrag hat, hat auch keine Altersversicherung. Zum öffentlichen Nahverkehr: Man kann nur mit Karte bezahlen. Während beim Eingang zur Metro ein Wachtposten steht, ist das Schwarzfahren im Bus das Normale. Aber Höflichkeit gegenüber älteren ist ebenso selbstverständlich, ein Sitzplatz ist ihnen sicher.

Früchte, wie z.B. Aprikosen, die es in Hülle und Fülle gibt, aber nur von Karolines deutschen Helfern gepflückt werden, nicht von chilenischen (oder ist es „unter der Würde“ eines Berufsschülers, Obst zu ernten...?). Chile, ein trotzdem faszinierendes Land mit Gefahren, gegen die man machtlos ist (z.B. Erdbeben), und anderen, die man meiden sollte (z.B. ins Gefängnis zu kommen, da diese doppelt bis fünffach überbelegt sind). Man würde sich nicht wundern, wenn es eines Tages hieße: Dorothea Klette ist wieder auf dem Weg nach Chile.

H.E.