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San Salvador

- der Heiland, der Erlöser, nannte Christoph Kolumbus das Land, das er auf der Suche nach Indien am 14. 10. 1492 als erster Europäer betrat. Die Greuel, die in der Folgezeit von den Eroberern in Mittel- und Südamerika verübt wurden, sind hinlänglich bekannt.

Ist das Land heute, über 500 Jahre später, befriedet? Sicher nicht! Durch unsere naive Mitschuld und Konsumwut.

El Salvador, wie es heute heißt, ist mit 100 Morden auf 100.000 Einwohner nicht nur eines der gefährlichsten Länder der Welt, sondern auch ein Ort der Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen in Fabriken, auf Plantagen und in Bergwerken – von denen einige auch wirtschaftliche Beziehungen mit deutschen Firmen haben, z.B. mit bekannten Textilketten, Sport- und Outdoorausstattern und Herstellern von Berufskleidung. Gegen die internationalen Verbindungen wäre nichts zu sagen, wenn in den Fabriken, Maquilas genannt, andere, d.h. bessere Bedingungen herrschten.

Die Maquilas werden – wertfrei – folgendermaßen beschrieben: „Als Maquilas (oder Maquiladoras) werden Bekleidungsfabriken in Mittelamerika bezeichnet, die halbfertige Waren für die Exportindustrie zuschneiden, nähen, bügeln und teils auch verkaufsfertig verpacken. Die Fabriken liegen zumeist in den sogenannte Freien Produktionszentren, in denen Unternehmen großzügige Steuerbefreiungen und geringe Umweltauflagen (auch heute) genießen.“

Der gesetzliche Mindestlohn in der Maquila (Stand 2016) „deckt“ den Grundbedarf einer Durchschnittsfamilie in El Salvador nur zu 38% (in Honduras zu 31%, in Guatemala zu 42% und in Nicaragua zu 35%). In den Maquilas arbeiten heute etwa 390.000 Menschen, zumeist Frauen ohne Ausbildung, die den Unterhalt ihrer Familie verdienen müssen.

Wenn es nur die schlechten Löhne wären, wäre es schon schlimm genug, aber Berichte über schwer erträglichen Arbeitsdruck, Drangsalierungen, Kontrollen bis hin zum Toilettengang (viele verzichten deshalb trotz der Hitze aufs Trinken!) und Schikanen bei der Einforderung von Arbeitsrechten, verstärken den Eindruck, dass hier an Ausbeutung grenzende Verhältnisse herrschen.

Diese Verhältnisse sind seit etwa 20 Jahren öffentlich bekannt und führten 1996 zur Gründung der „Kampagne für saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaigne), wobei „sauber“ natürlich auch „frei von Ausbeutung“ bedeutet.

Jetzt schon ein praktikabler Hinweis: Eine Übersicht über Bio-, Öko-, Fair- und Nachhaltigkeitssiegel bei uns im Format DIN A 4 zur Einsicht auf dem Runden Tisch und - zusammengefaltet im Handtaschenformat - auf dem Ladentisch. Wem das Aussuchen zu mühsam ist, der sei vorerst auf die Beurteilung des FWF-Siegels (Fair Wear Foundation) für Kleidung hingewiesen: „Obwohl die meisten Mitgliedsunternehmen sehr engagiert für „saubere“Arbeitsplätze arbeiten, hat auch die FWF bei der Zahlung von Grundbedürfnislöhnen Probleme. In einigen Ländern wurden hier Fortschritte erzielt, oftmals bleiben die Zahlungen aber hinter dem zurück, was als „würdige Löhne“ für die Arbeiterin und die von ihr abhängigen Familienmitglieder nötig wäre. Trotzdem ist es bisher der weitest reichende glaubwürdige Ansatz auf dem Markt.“

Fortsetzung folgt.

H.E.