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Flasche oder Karton?

Wir sind kritisiert worden, weil wir unseren fair gehandelten Orangensaft Merida nicht in Pfandflaschen anbieten. Nun, wir könnten uns herausreden und argumentieren, dass wir ja den Saft nicht selbst abfüllen, sondern vom Fair-Importeur (hier die GEPA) geliefert bekommen. Die GEPA hat in zwei Schritten ganz auf den 1-Liter-Getränkekarton umgestellt (die Limo gibt’s weiterhin in 0,33 l –Pfandfläschchen) und begründet dies so: Die Pfandflaschen wurden einfach von den Kundinnen und Kunden nicht genügend nachgefragt, sodass es für unseren Abfüller nicht mehr rentabel war.

Auch wenn die Pfandflasche gegenüber dem Karton umweltbilanzmäßig leichte Vorteile hat, darf doch die rhetorische Frage erlaubt sein: Wer oder was ist schon 100 %-ig? Lenken wir den Blick einmal auf die Frage: Was in ist in der Flasche oder im Getränkekarton?

In unserer Veranstaltung mit Jobst Kraus von der Evangelischen Akademie Bad Boll am 14. 10. 2010 zum Thema „Verbrauchermacht gegen ausbeuterische Kinderarbeit“ haben wir aufgelistet, dass in Bananen, Gewürzen, Reis, Zucker, Zuckerrohr und Orangensaft ausbeuterische Kinderarbeit stecken kann (obwohl auch in Brasilien, wo der Saft weit überwiegend herkommt, Kinderarbeit verboten ist), ganz zu schweigen von einer noch längeren Liste sog. Konsumgüter (Bekleidung, Blumen, Natursteine usw.).

Kinderarbeit, Ausbeutung auch von Erwachsenen, schlechte Löhne und zu niedrige Preise sind nach den internationalen Fairhandelskriterien von vornherein ausgeschlsossen. Demgegenüber bietet eine Faire Handelspartnerschaft für die Erzeuger große Vorteile: Die Orangen kommen von der Brasilianischen Mittel- und Kleinbauerngenossenschaft COOPEALNOR in den Regionen LiItoral Norte und Agreste/Bahia. Der Fair-Importeur garantiert Mindestpreise plus zusätzliche Prämie für soziale Projekte vor Ort und sorgt dafür, dass der Mehrpreis aus dem Fairen Handel sowohl der Bauern wie auch den landlosen Beschäftigten zugute kommt. Der Mehrpreis soll außerdem die Umstellung auf Bio-Anbau ermöglichen und den Aufbau einer eigenen Verarbeitungsanlage (wer mehr wissen will: www.gepa.de/ohne-mengenausgleich).

Sollen wir also wegen der Verpackung ganz auf fair gehandelten Orangensaft verzichten? Würde es etwas "bewegen" - auch im Bezug auf Discounter?

Leider verlangen wohl salz- und säurehaltige Getränke eine Aluminiumbeschichtung. Dieses Metall bzw. der Grundstoff Bauxit macht in einigen Ländern Schlagzeilen, z.B. im Osten Indiens, wo durch den Tagebau nicht nur die Landwirtschaft verwüstet wird, sondern auch Tausende von Ureinwohnern (Adivasis) zwangsumgesiedelt wurden. Auch der Energieaufwand und Probleme beim Recycling sind nicht zu vergessen. Die Umweltbilanzen widersprechen sich zum Teil, je nachdem, was man in diese einbezieht oder ob Eigeninteressen dahinter stehen.

Man hat ja schon davon gehört, dass Grenzwerte erhöht wurden, nur um die Norm zu erfüllen. Ob ein ähnlicher Trick funktioniert, wenn Orangensaft einfach für säurefrei erklärt wird? Spaß beiseite, Ernst komm her: Wer hat einen vernünftigen Vorschlag? Der Weltladen ist nicht nur offen für Kund/innen, Interessent/innen und potentielle neue Mitarbeiter/innen, sondern auch für Anregungen und Tipps, die dem Fairen Handel dienen.

P.S.: Bis 15. 7. können Sie unsere Säfte und weißen Fruchtschokoladen kostenlos probieren.

H.E.